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ALLES AUF ROT AM BLUMENRAIN

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Julia Heinz
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Les Trois Rois, Olivia Pulver. Julia Heinz
©Grandhotel Les Trois Rois

Dass Rot als die Farbe der Könige gilt, ist wohl kein Zufall. Schließlich gaben sich im Laufe der Zeit so manche Monarchen im Grandhotel am Rheinufer die Ehre. Der Legende nach soll Napoleon 1798 im Les Trois Rois den allerersten Business-Lunch abgehalten haben. Mit seiner über 300-jährigen Geschichte zählt das 1681 als „Herrenherberge und Gasthof zu den Drei Königen“ eröffnete und heute als Luxushotel geführte Haus in Basel zu den traditionsreichsten Stadthotels Europas. Passend dazu strahlt die Schweizer Flagge in kräftigem Rot, und die Confoederatio Helvetica wird nicht ohne Grund als die Wiege der Grandhotellerie betrachtet.

Doch Rot ist nicht nur die Farbe der Könige. Mit dem spektakulären Umbau des Kopfgebäudes am Blumenrain 2 wurde auch eines klar: Rot ist ebenso die Farbe der Herzöge – zumindest in diesem Fall. Denn niemand Geringeres als das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron wurde mit der Neugestaltung des denkmalgeschützten Annexes betraut. Und ja, Rot ist auch die Lieblingsfarbe von Stararchitekt Jacques Herzog. Natürlich ist es nicht irgendein Rot, in das der Bau von 1903 an prominenter Ecke zur Schifflände getaucht wurde. Sangria heißt der Farbton, der in seiner samtigen Darbietung alles andere als gewöhnlich ist.

ROT. EKLEKTISCH. GRANDIOS.

Die sieben neuen Suiten erstrahlen in einem eklektischen Mix aus dunkel gebeizten Eichenholzmöbeln, schneeweißem Carraramarmor und auf Hochglanz lackierten Deckenelementen – eingebettet in einen Kokon aus tiefrotem Samt. Türen, Ecken oder Kanten sucht man vergebens – nichts, was die kreative oder gedankliche Freiheit begrenzen könnte. Stattdessen gehen Formen und Elemente nahtlos ineinander über. Sanfte Rundungen spiegeln das Wogen der Wellen am nahen Rhein wider.

Grandhotel Les Trois Rois, Basel, © Olivia Pulver

Das ist eine schöne Idee und in der Umsetzung perfekt gelungen. Die Mahagoni-Einbauten sind allesamt Maßanfertigungen von Herzog & de Meuron, die Hängelampen mundgeblasen aus der im benachbarten Münchenstein gelegenen Glasmanufaktur. Licht spielt eine große Rolle, schafft Kontraste, erzeugt visuelle Spannungen und umhüllt sanft mit einer Geste des Ankommens.

Wer das elegante und betont klassische Dekor des Les Trois Rois kennt, wird diesen überraschenden Stilbruch als mutigen Schritt interpretieren. Doch nur wer wagt, der gewinnt. „Wir machen damit einen großen Schritt in Richtung Zukunft“, sagt General Manager Mark Jacob. Das historische Gebäude verliert nichts von seinem Charme, im Gegenteil: Die Seele des Hauses schwebt immanent zwischen Klassizismus und zeitgenössischem Design.

„YOUNG AT HEART, RICH IN HISTORY“,

fasst Eigentümer Thomas Straumann die Essenz des Les Trois Rois zusammen.

Thomas Straumann übernahm das Hotel im Jahr 2004. „Wir wollten zeigen, dass sich das Les Trois Rois auch zeitgenössisch denken lässt.“ Ein kontrastreiches Spiel zwischen Alt und Neu, vielmehr ein liebevoller Dialog. Ein Verschmelzen von scheinbaren Gegensätzen. Eine Hommage an die Stadt Basel und den Standort und eine konsequente Würdigung der Geschichte des Hauses.

VON DER KONTONUMMER ZUR ZIMMERNUMMER

Früher war hier der Sitz der Basler Kantonalbank. Die Wohnung des ehemaligen Bankdirektors ist heute die 240 qm große Suite „Trois Rois“. Grandezza und modernes Design mit Blick auf den Rhein. Im ehemaligen Ballsaal, dort, wo früher die Kantonalbank ihre Schalter betrieb, sitzt man heute im neueröffneten Restaurant Banks. Ein doppeltes Wortspiel, das sowohl das einstige Bankgebäude als auch die Riverbank, also das Rheinufer, aufgreift. Die Speisekarte folgt keiner linearen Anordnung, sondern kommt geschwungen daher. Wie die Wellen des Rheins. Kulinarisch ist die Karte ein asiatisch angehauchtes Potpourri im Sharing-Style. Die Weinkarte ist mutig, mit lokalen, experimentellen Positionen wie etwa „La Bohème“ aus dem Hause Schlipf Schneider.

Head Chef Kevin Bornschein verfolgt die Philosophie: „Was auf den Tisch kommt, soll Spaß machen – überraschen und verbinden.“ Social Eating, nennt General Manager Mark Jacobs das. Im Banks wird nicht einfach bloß gegessen. Es wird gestaunt, gelacht und geteilt. Zum Beispiel Wagyu Tataki, Banks-Carbonara mit Udon und Bonito oder Tuna Nori Tacos mit Ossetra Kaviar. Dazu gibt es eine Wasserflatrate – im Glas und mit Blick auf den Rhein. Alles ist hier im Fluss.

BANK OUT. BANKS IN.

Über der hufeisenförmigen Bar (selbst ein architektonisches Meisterwerk) thront ein „Fliegendes Riff“ der Künstler Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger. Kleiderbügel aus dem Hotelfundus und Erinnerungsstücke von Mitarbeitern finden hier ebenso ihren Platz wie eine Kaffeetasse oder ein kleiner Deko-Elefant. Zwischen den historischen Stuckleisten und den hohen Decken mit Spiegeln multiplizieren sich die vielen Kronleuchter ins Unendliche – und stellen sich den neugierigen Blicken vorbeilaufender Passanten. Die Brasserie im Hauptgebäude ist längst eine Institution in Basel, das Banks ist auf dem besten Weg dorthin.

In der imposanten Schalterhalle der Kantonalbank wurden einst Werte gesammelt und bewahrt. Heute werden Momente erlebt und konserviert. „Wir wollten hier eine neue Erlebniswelt schaffen“, sagt Jaques Herzog. Gelungen, würde ich behaupten.

BANKS, im Grandhotel Les Trois Rois, Basel © Olivia Pulver

Darüber, ob man im 21. Jahrhundert noch eine Zigarrenlounge benötigt, kann man geteilter Meinung sein. Im hiesigen Grandhotel stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Ein architektonisches Meisterwerk ist „The Council“ allemal. Zwei Hotelzimmer wurden dafür „geopfert“ und stattdessen 570 kunstvolle Keramik- und Bronzeplatten sowie präzise gefräste Eichenpaneele eingesetzt, umgeben von roten Sofas und einem knisternden Kamin. Selbst als Nichtraucher fühlt man sich hier direkt wohl. Barchef Thomas Huhn stellt exklusive Pairings aus edlen Spirituosen und feinsten Zigarrenaromen zusammen. Ein Mekka für Designaficionados und Freunde der gediegenen Genusskultur.

JAPANISCHE ACHTSAMKEIT

Ein weiteres Highlight aus der Feder des Hauses Herzog & de Meuron ist der neue SPA-Bereich im Dachstuhl des Kopfgebäudes – der in dieser Form wohl einmalig ist. Mit Tatami, Lehmwänden und viel warmem Holz fühlt man sich direkt in ein japanisches Onsen versetzt. Und genießt dabei einen atemberaubenden Blick über die Basler Altstadt. Seijaku, benannt nach dem japanischen Wort für Stille und Achtsamkeit. Hier dreht sich alles um Yasuragi, Ki und Ichigo-Ichie – Konzepte der inneren Ruhe und der bewussten Wertschätzung des Augenblicks. Ein Rückzugsort, hoch oben und dennoch ganz geerdet – und eine Einladung, den Moment ganz bewusst zu genießen.

„Gleich beim Eintreten soll der Gast spüren, dass er eine andere Welt betritt“, erklärt Eigentümer Thomas Straumann.

Diesen Ort in Worte zu fassen, fällt schwer. Man muss ihn erleben. Die stilvolle Verbindung zwischen historischer Substanz und zeitgenössischem Design auf sich wirken lassen. Die herausragende Gastfreundschaft am eigenen Leib erfahren. Sich die Aromen der Cuisine auf der Zunge zergehen lassen und den Duft opulenter Blumenbouquets aus der hauseigenen Floristik olfaktorisch erfassen, während draußen der Rhein in seiner majestätischen Beständigkeit dahinfließt.

„Das schönste Hotel der Welt“ nennt Architekt Jaques Herzog das Les Trois Rois. Man möchte ihm stumm nickend beipflichten und am liebsten nie wieder abreisen.

 

Quick Facts

Grandhotel Les Trois Rois

Blumenrain 8

4001 Basel, Schweiz

www.lestroisrois.com

 

 

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