
In ein Ladenlokal zu ziehen, das mit nur 75 Quadratmetern für eine Galerie völlig ungeeignet ist, klingt nach Risikofreude, aber Andreas Baumgartl hat die Entscheidung bis heute nicht bereut. Von hier aus konnte er agieren und sich weiterentwickeln. Während unseres Gesprächs läuft er auf die Prannerstraße hinaus, zeigt mit ausgestrecktem Arm von einer Straßenseite zur anderen und zählt die Galerien in der Straße auf, auch die Kunstpassage im Bayerischen Hof. Die Prannerstraße, durch die er schon als kleiner Junge gerne mit seinem Großvater spaziert ist, werde langsam wieder zu einer Kunst- und Kulturmeile, wie sie einmal war. „Das freut mich“, sagt er und geht ein paar Schritte weiter in die zweite Galerie im Innenhof des ehemaligen Palais Seinsheim in der Prannerstraße. „Ich habe lange darüber nachgedacht“, sagt Baumgartl, „aber es war so eine tolle Chance, die konnte ich mir nicht entgehen lassen.“
Und so entstand seine neue zweite Galerie, dreimal so groß wie die alte. Hier soll es, wenn es wieder möglich ist, Vernissagen mit Partys geben – die gehören für Baumgartl einfach dazu, sagt er. In der neuen Galerie kann man die großen, farbenfrohen Kunstwerke nicht mehr nur durch das Schaufenster betrachten, sondern auch aus der Nähe. Baumgartl hat nun auch seine zweite Galerietür geöffnet. „Ich bin da angekommen, wo ich hin wollte“ – und nur das zählt. Die kleine Galerie, die er einst „meine neue Liebe“ nannte, wird aber nicht zur alten Liebe. Beide teilen sich nun den Titel und das Herz des Galeristen. Ein weiterer Punkt des radikalen Wandels: Wer sich heute in seiner Galerie umschaut, sieht nur das, was er selbst gerne anschaut. Er sitzt an seinem Schreibtisch und lässt den Blick durch den Raum schweifen: Es ist bunt, frisch, frech, immer wieder tauchen Frauen- und Auto-Motive auf. Er macht nur das, was ihm Spaß und Freude bereitet. Kunst als reine Geldanlage interessiert Andreas Baumgartl nicht. „Sie kann so viel mehr“, sagt der Galerist: Freude bereiten, Anlass für interessante Begegnungen sein und „beim Denken helfen“. Vor allem die amerikanische Pop-Art wie von James Francis Gill oder die expressiv-abstrakten Werke von Leon Löwentraut inspirieren ihn, weil sie aktuelle Strömungen aufgreifen. Für uns hat er sich besonders mit den folgenden drei Werken auseinandergesetzt.
Quick Fact
Adresse
Galerie Baumgartl
Prannerstraße 5 (Bayerischer Hof) / 7 (Palais Seinsheim)
80333 München
Öffnungszeiten
Mo.-Fr. 11-19 Uhr
Sa. 11-16 Uhr
Kontakt
Tel.: +49 89 2289242
E-Mail: ab@g-ab.de
Website: www.andreasbaumgartl.de

